Ready Your Shovels!
Einführung zum Unearthed-Programm

Klassiker und Filme, die es längst sein sollten: In der Sektion „Unearthed“ geht das SLASH auf (Wieder-)Entdeckungsreise. Auch einem ganz Großen des Genrekinos wird dabei heuer gehuldigt.
Der Sensenmann fürchtet sich vor dem Tag, an dem Chuck Norris bei ihm vor der Tür steht … Muss man mehr sagen über den Legendenstatus, den sich dieser Mensch zu Lebzeiten erworben hat? Weil er jetzt nicht mehr ist, wollen wir den nötigen Respekt zollen, und zwar mit einem Film, der in seinem Werk einzigartig ist: Silent Rage wurde Chuck Norris damals auf den Leib geschrieben, jedoch mit Science-Fiction- und – Frankenstein! – klassischen Horror-Elementen. Etwas zwischen den Stühlen steht der Film auch, weil er 1982 gemacht wurde – nach den frühen Martial-Arts-Streifen, aber vor Missing in Action, der sein Leinwandhelden-Image neu prägen sollte. Eine Chance also, ein verstecktes Juwel in der Filmografie des Meisters kennenzulernen. Und den Ursprung des Spruchs: Wenn Monster ihre Kinder erschrecken wollen, erzählen sie ihnen Geschichten über Chuck Norris.
Heftigst gekickt und geprügelt wird auch in einem anderen Werk, das lange nur auf VHS-Raubkopien kursierte, und von dem erst kürzlich, nach 40 Jahren, wieder eine Filmkopie auftauchte. Beim SLASH feiert seine 4K-restaurierte Fassung nun Europapremiere, und wer noch zögert, staune entweder bei seiner Beschreibung oder lese einfach diesen Satz: Wenn He-Man und die Masters of the Universe mit den Shaw Brothers LSD eingeworfen hätten, während sie einen Martial-Arts-Horror-Fantasy-Streifen aus dem Boden stampfen, dann wäre Thrilling Bloody Sword dieser Film.
Aus den Schubladen, in die er bislang gesteckt wurde, wird hingegen Salò, oder Die 120 Tage von Sodom von Marcus Stiglegger geholt. Der Film- und Kulturwissenschaftler diskutiert in einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion nach dem Screening die Bedeutung von Pasolinis Skandalfilm, durch die er uns heute sogar noch näher erscheinen mag als zur Zeit seiner Entstehung. Einen Vorgeschmack liefert sein Essay.
Es ist nicht die einzige Neubewertung in der heurigen „Unearthed“-Schiene: Gemeinsam mit unserem Gast, der schwedischen 70er-Jahre-Ikone Christina Lindberg (siehe das Porträt von Dana Linssen), blicken wir zurück auf ihren vielleicht bemerkenswertesten Film, das Rape-and-Revenge-Opus Thriller: A Cruel Picture, in dem neben expliziter Exploitation auch eine gehörige Menge Empowerment steckt. Und ein höchst spannender Lebenslauf.
Außerdem natürlich, wie könnte es anders sein: Freaks, der Lebensfilm des Festivals. Er rundet auch heuer diesen Reigen ab.