HARALD’s SLEAZY GRINDHOUSE Extravaganza

Harald Dolezal sammelt seit über 40 Jahren alles Gedruckte, was mit dem Fantastischen Film zu tun hat

Harald Dolezal sammelt seit über 40 Jahren alles Gedruckte, was mit dem Fantastischen Film zu tun hat. Sein Archiv umfasst mittlerweile an die 300.000 Exponate – von Plakaten und Büchern über Kino-Aushangfotos und Filmprogramme bis hin zu absurden Grails wie dem BUFFY THE VAMPIRE SLAYER Kit. Gefühlt genauso lange ist er ein waschechter SLASHie und hat das Festival schon etliche Male atmosphärisch bereichert, u. a. als Mitarbeiter der Talk-Reihe NACKT&MUTIERT. Im Zuge unserer diesjährigen Grindhouse-Retro durften wir zahlreiche Stunden in Haralds unheiligen Hallen verbringen, unter anderem, um kleine Vorspann-Beiträge zu drehen, ehrfürchtig vorm von Christopher Lee signierten Original-Plakat zu THE DEVIL RIDES OUT zu knien und dieses Interview zu führen.

In diesem Sinne, lieber Harald – wenn du dich bitte kurz vorstellst!

Hallo liebe Slashies, mein Name ist Harald Dolezal. Ich bin Filmarchäologe und Filmgenießer und wir befinden uns gerade in meinem Archiv, das an die 300.000 Fundstücke aus allen Jahrzehnten der Filmgeschichte beinhaltet. Thematisch geht’s bei mir ausschließlich um das fantastische Filmgenre des Übernatürlichen Kinos: von Horror, Sci-Fi, Fantasy, Animation, Psychothriller … einfach von den Anfängen der Filmgeschichte bis zum heutigen Tag. Heute werde ich einige Dinge aus meinem Gedächtnis mit euch teilen.

Was war der Anstoß für die Sammlung und wie hast du es geschafft, so lange – nunmehr schon über 40(!) Jahre – dranzubleiben? Hast du immer schon gesammelt?

Begonnen hat das bereits in meiner Kindheit: Sammeln war für mich schon immer eine große Leidenschaft. Und dabei gab es für mich nie „das Beste“ oder „das Schlechteste“, sondern ich wollte einfach ALLES haben und war ein ziemlicher Komplettist. Das Interesse an Film wurde mir praktisch in den Schoß gelegt: Meine Mama war in den 50er-Jahren als Statistin in einigen Filmen, unter anderem in Sissi- oder Schubert-Filmen. Ich durfte schon sehr früh ins Kino gehen und mir auch Filme ansehen, die vielleicht noch nicht für mein Alter geeignet waren.

Was waren denn die ersten Filme, die bei dir Eindruck hinterlassen haben?

Dazu zählt auf jeden Fall NOSFERATU, den ich als Kind im Fernsehen sah. Max Schreck war einfach so dermaßen grauslich und gruselig, das hat mich schwer beeindruckt. LOS OLVIDADOS von Luis Buñuel hat mich auch ziemlich mitgenommen, im positivsten Sinn.

Wie kam es denn dazu, dass du dir letztendlich ein eigenes Lager angeschafft hast? Nach welchen Kriterien geht man da vor?

Als ich zu Sammeln anfing, hab ich noch bei meinen Eltern in Niederösterreich gewohnt. Über die Jahre ging mein Zimmer langsam über, und als sich die Sammlung auf Nebenzimmer, Keller und Stüberl ausweitete und auch dort irgendwann kein Platz mehr war, konnte ich das Archiv nach Wien übersiedeln. Das waren dann wirklich etliche LKW-Ladungen. Dort hatte ich dann das einmalige Glück, seitens des Vermieters ein Privatarchiv zumieten zu können. Inzwischen platzt auch das aus allen Nähten – und das ist gut so.

Du hast ja, wie gewiss auch einige unserer Leser:innen, ein ausgeprägtes Interesse für den „Horrorfilm“ … was hat dich da beeinflusst?

Mein Einstieg in die Welt des Gruselfilms war definitiv dieses Buch: „Der Horrorfilm“, eine Enzyklopädie von Roloff und Seeßlen aus den 70ern. Das war für mich eine Art Bibel, die hab ich von hinten nach vorne und von vorne nach hinten gelesen – damit habe ich dann auch angefangen, Filmliteratur zu sammeln.

Doch allein beim Sammeln sollte es nicht bleiben, denn meines Wissens warst du auch der erste in Österreich, der dieser Thematik ein eigenes Fanzine gewidmet hat …

Genau, ich habe es geschafft, Österreichs erstes Fanzine zum Thema Fantastischer Film zu veröffentlichen. Begonnen hatte ich bereits 1982 in der Fanzine-Szene mit Schwerpunkt psychedelische Musik, und 1987 ging es dann weiter mit meinem Film-Fanzine „Dark Movies“. Es war mir von Anfang an wichtig, das Ganze recht professionell aufzuziehen, mit eigenen Autoren und Layoutern. Einer meiner ersten Schreiberlinge war Christian Fuchs, der gewiss manchen SLASHies ein Begriff sein wird. Insgesamt habe ich sechs Ausgaben in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht; mit einem Sonderheft zum Thema Dario Argento – das ihm übrigens selbst sehr gut gefallen hat und für das er mir auch einiges an Material hat zukommen lassen – habe ich dann abgeschlossen. Eine letzte geplante Ausgabe zum Thema Zombie-Filme, die den Titel ZOMBIES ON THE SCREEN hätte tragen sollen, wurde leider niemals Realität …

Back to reality: Du stammst ja aus einer Zeit lange vor Internet, Onlineshops und Auktionen. Das heißt, die Beschaffung der Materialien war wohl um ein Vielfaches mühseliger als heute?

Man begann mit den Dingen, die leicht zu beschaffen waren. Filmprogramme gab es damals zum Beispiel in Massen und man bekam sie spielend leicht in Kinos oder auf Flohmärkten, selbiges mit Filmbüchern. Auch die Satyr Filmwelt, die sich heute im Metro Kinokulturhaus befindet, war damals schon etabliert. Ich begann dann irgendwann, zur Beschaffung von Material gezielt ins Ausland zu reisen: London, Paris, New York … Dort gab es Shops, die gänzlich dem Thema Film verschrieben waren. Und dann kam irgendwann das Internet, oder genauer gesagt, eBay. Interessant wie problematisch, weil die besten Auktionen in US stattfanden und somit zu einer Zeit, zu der ich lieber geschlafen habe.

Könntest du benennen, was insgesamt die Faszination an diesen Materialien ausmacht?

Was die Bücher und Magazine angeht, so wollte ich einfach immer alles zu den Hintergründen, den Machern, den Spezialeffekten etc. wissen. Und Plakate sind einfach Kunst. Fast jeder wichtige Regisseur, von Pasolini über Godard bis Lynch und Jodorowsky, hat die Relevanz von kunstvollen Plakaten erkannt. Wir haben uns ja vorher auch die Originalplakate von Jean Rollin angesehen (Anm. d. Red.: LA VAMPIRE NUE und LE FRISSON DES VAMPIES): Die kannst du in hochkarätigen Ausstellungen zeigen. Plakate sind durch die teils sehr großen Formate leider recht schwierig aufzubewahren, deshalb schätze ich auch Fotos sehr, von Schwarz-Weiß-Pressefotos bis zu Kinoaushangfotos aus der ganzen Welt.

Könntest du eigentlich festmachen, was das älteste und was das jüngste Plakat in deiner Sammlung ist?

Das älteste Stück ist weit über 100 Jahre alt: ein amerikanisches Plakat in mehreren Teilen zu einem CINDERELLA-Märchenfilm von 1912 oder 14. Das aktuellste Stück ist derzeit THE DOG STARS (dt. DAS ENDE DER STERNE, Anm.) von Ridley Scott mit dem grandiosen Shootingstar Jacob Elordi.

Es gibt gewiss auch so etwas wie einen „holy grail“ unter den Sammlern ….

In meinem Fall ist das gewiss das Original-Filmprogramm zu DAS KABINETT DES DR. CALIGARI aus dem Jahr 1920, oder ein französisches B-Motiv-Plakat von 1946 zu Jean Cocteaus LA BELLE ET LA BÊTE.

Ich weiß, die Frage ist schwer zu beantworten, aber: Was ist dein Lieblingsplakat bzw. gehört zu deinen Favoriten?

Eine Ära, die für mich sehr viel Bedeutung hat, sind die 70er Jahre und noch spezifischer das Grindhouse-Kino. Deshalb freue ich mich auch besonders, dass dieses in diesem Jahr so würdig beim Slash vertreten ist. Viele Plakate aus dieser Zeit sind nach heutigen Maßstäben extrem kontrovers. Ich bin eigentlich ein sehr pazifistischer und friedliebender Mensch, aber: Fiktive Gewalt, sowohl auf Filmplakaten als auch im Film, ist für mich absolut tolerierbar. Menschen sind nunmal keine friedfertigen Geschöpfe und die Filme spiegeln immer auch die Zeit wieder, in der sie entstanden sind. Da sind jedenfalls einige Favoriten dabei – zum Beispiel das Originalplakat zu §TWO THOUSAND MANIACS! von Herschell Gordon Lewis oder MANIAC von William Lustig, die auch beide in unserer Plakat-Ausstellung (Anm. d. Red.: 24.9. ab 17.30 im SLASH Festivalzentrum) zu sehen sein werden.

Jedes Land hat wunderschöne Plakate gemacht, das reicht bis in den Nahen Osten, ich hab sogar Godzilla-Plakate aus Afrika! Monster gehen grundsätzlich IMMER. Oder, was mir auch gerade einfällt, ein sehr seltenes deutsches Plakat aus dem Jahr 1958 zu dem Film EIN TOTER HING IM NETZ. Da gab’s drei Plakate, ich hab das seltenste mit Riesenmonster. Außerdem habe ich noch ein Faible für sprechende Tiere.

Als Sammler und Redakteur hast du über die Jahre wahrscheinlich auch die eine oder andere berühmte Persönlichkeit getroffen … War von diesen auch schon mal jemand in deinem Archiv?

Ich durfte über die Jahrzehnte tatsächlich schon zahlreiche Stars treffen, sammle auch sehr gerne Autogramme, vorzugsweise mit persönlicher Widmung. Diese besitze ich zum Beispiel von John Carpenter oder Dario Argento, den ich vor vielen Jahren auch mal im Zuge der Viennale interviewt habe. Oder Kirk Hammett von Metallica: Mit dieser Band verbindet meine Frau Irma und mich eine langjährige Geschichte und im Zuge eines Meet & Greets durften wir ihn einmal kennenlernen. Er ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Sammler dieser Materialien, wir reden da allerdings von diesen uralten und im Prinzip unleistbaren Stücken. Als wir dann beim Meet & Greet an der Reihe waren, hatte ich extra eine speziell auf ihn zugeschnittene Broschüre mit einigen Highlights aus meiner Sammlung vorbereitet; das hat ihn total beeindruckt und er sagte „HARALD! I’VE NEVER SEEN THIS IN MY LIFE!“. Er meinte spezifisch das zuvor erwähnte Plakat zu Jean Cocteaus LE BELLE ET LA BÊTE, sogar vom Künstler signiert. Er wollte dann auch unbedingt ins Archiv kommen, hat es dann aber leider aufgrund des dichten Tourplans nicht geschafft. Er hat übrigens auch immer einen eigenen „Plakat-Dealer“ mit auf Tour …

John Waters wäre damals auch liebend gerne ins Archiv gekommen, aber dann kam der Ulrich Seidl dazwischen, haha.

Gibt es eigentlich auch Plakate, von denen du sagst, sie sind ein „Verbrechen an der Menschheit”?

Wenn du meinst, ob es menschenverachtende oder skandalöse Filmplakate gibt: Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber meiner Meinung nach gibt es in diesem Sinn keine Plakate, die ein „Verbrechen“ wären. Filmplakate töten keine Menschen – Menschen töten Menschen. Filmplakate sind wie zuvor erwähnt aus der Zeit zu sehen und spiegeln diese wider, das kürzlich genannte Grindhouse-Kino war dreckig, brutal, frauenverachtend, oft auch rassistisch. Meistens waren es billig produzierte Filme, die durch auffällige Plakate auf sich aufmerksam machen mussten. Genau dieser Kontrast und diese Kontroverse interessiert mich sehr.

Wir präsentieren in diesem Jahr ja auch Pasolinis SALÒ mit einem einführenden Vortrag von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und anschließender Podiumsdiskussion. Was hältst du denn von diesem Film?

Pier Paolo Pasolini war und ist noch immer einer meiner absoluten Lieblingsregisseure. Der hat mich schon als Jugendlicher sehr beeindruckt. Jetzt nicht unbedingt die großen Werke, sondern auch kleinere Filme wie GROSSE VÖGEL, KLEINE VÖGEL (Originaltitel: UCCELLACCI E UCCELLINI). Ich hab mich schon immer für Underground-Kino interessiert, für außergewöhnliche und auch tabubrechende Filme – das wichtigste Filmbuch für mich überhaupt war „Kino wider die Tabus“. Eine Bibel für außergewöhnliche Filme, in der natürlich auch viel von Pasolini vorkam. SALÒ ODER DIE 120 TAGE VON SODOM war ja lange Zeit bei uns aufgrund eines Verbots unmöglich zu sehen. Es gab kein Internet, keine Raubkopien, da ist man einfach nicht rangekommen. Und dann, eines Tages, ist er doch ins Stadtkino nach Wien gekommen, nur ganz dezent geschnitten. Dann konnte ich ihn endlich sehen und muss sagen: puh, das, was er da hinterlassen hat ist schon sehr, sehr extrem. Aber: es ist eben auch Kunst. Mich hat der Film fasziniert, ich hab ihn aber auch bis heute kein zweites Mal gesehen. Vielleicht trau ich mich ja beim SLASH nochmal.

Speaking of, wie bist du damals eigentlich auf das SLASH Filmfestival aufmerksam geworden? Welche Ereignisse oder Erlebnisse verbindest du damit?

Bei einem der ersten beiden SLASH Festivals war Crispin Glover zu Gast. Ein sehr eigenwilliger amerikanischer Schauspieler, der eine ganz tolle Show/Performance abgezogen hat. Dort sind meine Frau und ich mit den Menschen hinter dem Festival ins Gespräch gekommen, dann bald mal essen gegangen und im Zuge dessen auf mein Archiv zu sprechen gekommen. Da wurde mir dann eine Mitarbeit angeboten.

Beim dritten Festival war dann auch schon Lloyd Kaufman von Troma zu Gast und ab da hab ich dann für die Gäste des SLASH immer Auslagen mit Fundstücken und seltenen Exponaten aus meinem Archiv dekoriert. Das haben nicht nur die SLASHies goutiert, sondern auch die Regisseur:innen und Schauspieler:innen.

Das ist auch der Unterschied zu anderen Festivals: Hier gibt’s die wahren Raritäten zu sehen.

Du warst ja sogar schon mal VOR der Kamera, was ich weiß?

Ich hatte einmal die Gelegenheit, bei einem Film mitzuspielen, den ein befreundeter Filmvorführer namens Carl (Anm. d. Red.: Pseudonym Carl Andersen) gedreht hat. Der hat in etlichen Kinos wie z. B. den Breitenseer Lichtspielen gearbeitet und war sehr auf Schund-, Trash- und Exploitation-Filme spezialisiert, hat auch viele Filme als erster in Österreich gezeigt und sich dadurch auch einen gewissen Ruf erarbeitet. Eines Tages, das muss ca. 1987 gewesen sein, hat er dann beschlossen, einen Film zu drehen. Aber: Carl war anders als andere Regisseure. Er wohnte in einer WG, hatte nie Geld und somit auch kein Geld für den Film, was ihn aber nicht davon abhielt, ihn zu machen. Er war ein großer Filmliebhaber und hat mich auch in den frühen Tagen sehr unterstützt, an meine Materialien zu gelangen. Dann sagte er mal: „Du, ich mach jetzt diesen Vampirfilm und ich will, dass du mitspielst.“ Ich war aber eher ein „Running Gag“ als ein fixer Charakter, ich tauch’ einfach mehrfach willkürlich auf. An einige Szenen kann ich mich noch gut erinnern: Carl hat Burger gebracht, ein Programm vom Stadtkino auf den Tisch gelegt und dann gesagt: „Ihr esst jetzt und müsst auf das Programm kotzen.“ Das haben wir dann gemacht. Dazu muss auch gesagt werden: Eine Hälfte der Darsteller*innen hatte Nacktrollen, die andere Kotzrollen. Ich fiel in Kategorie zwei. Auch mein Zine „Dark Movies“ kommt vor. Am Ende sage ich dann irgendwann zu einem Taxifahrer – übrigens in meinem alten Auto: „Fahrn’s mich bitte schnell aus diesem Scheiß’ Film“. I WAS A TEENAGE ZABBADOING / VAMPRIOS SEXOS ist der Titel. 1988, Carl Andersens erster Film. R.I.P.!

Mein lieber Harald, ich danke dir vielmals für die gute Zeit, die wir in deinem Archiv verbringen durften. Abschließen würde ich gerne mit willkürlichen Titeln aus unserer Grindhouse-Retro, in der Hoffnung, dass du dazu noch ein paar Gedanken mit uns teilst.

  • LAST HOUSE ON DEAD END STREET

Ein kleiner, mieser Film, der sich einer sehr heiklen Thematik angenommen hat: Snuff-Filme. Das Thema ist erst richtig groß geworden mit einem Film von 1975, eigentlich schon früher gedreht, aber erst später veröffentlicht, der sich lose an die Charles Manson Morde anlehnt: SNUFF, mit einer sehr langen und brutalen „Torture Porn“ Szene. Es gab keinen Abspann und keine Information über die Schauspieler:innen, und das war damals ein ziemlicher Skandal. Ein paar Jahre davor gab’s THE LAST HOUSE ON THE LEFT von Wes Craven, auch ein klassischer Grindhouse-Film. LAST HOUSE ON DEAD END STREET bezieht sich vom Titel her natürlich direkt darauf, ebenso wirbt der Film mit derselben legendären Schlagzeile: „It’s only a movie.“

  • DRILLER KILLER

… war das Kino Debüt von Abel Ferrara. Einerseits ein dreckiger kleiner B-Movie, andererseits hat Abel schon mit diesem Debüt gezeigt, dass er auch künstlerische Sachen machen kann. Optisch durchaus ungewöhnlich, eine wesentlich ruhigere Herangehensweise als zum Beispiel I SPIT ON YOUR GRAVE. Es gibt auch einige extreme Szenen – gut, der Film heißt ja auch DRILLER KILLER – das Filmplakat sagt eh alles aus. Ich hab Abel Ferrara übrigens auch kennengelernt, der war eigentlich ziemlich umgänglich, man hat aber auch gehört, dass der ziemlich schwierig sein kann. Ist halt ein Künstler.

  • ILSA, SHE-WOLF OF THE SS

Ich hab für die Zeitschrift „Gory News“ mal einen Artikel geschrieben, der hieß „Ilsa, Greta & Dyanne“. Da ging’s um Dyanne Thorne, die die Hauptrolle in eben jenem legendären Nazifolterfilm spielt und danach noch GRETA – HAUS OHNE MÄNNER von Jess Franco gemacht hat.

Ein ganz fieser Film, von Nazi-Torture-Porn-Filmen an sich bin ich kein Fan, aber ILSA sticht doch etwas heraus, hat das Genre mehr oder weniger begründet.

In den 60ern gab es noch LOVE CAMP 7, der hat ILSA gewiss beeinflusst, ebenso wie die OLGA-Filme — aber ILSA, SHE-WOLF OF THE SS war einfach extremer als alle anderen.

  • TWO THOUSAND MANIACS!

Der läuft beim SLASH? Hurra! Ein Film aus der so genannten „Blood Trilogy“ von Herschell Gordon Lewis. Der war jetzt nicht unbedingt ein Grindhouse Regisseur, hat eher mit Sexploitation angefangen. TWO THOUSAND MANIACS! ist mit Abstand der beste aus der Trilogie, also der „Mittelteil“, die Filme hängen aber prinzipiell nicht zusammen.

BLOD FEAST, das Erstwerk, war jedenfalls der erste Film mit explizitem Gore und das hat das Genre entscheidend geprägt, der dritte war dann COLOR ME BLOOD RED.

Es gab in den 50er-Jahren schon einige Schwarz-Weiß-Filme mit Gore-Szenen, im japanischen Film JIGOKU von 1960 wurden auch schon extremste Sachen in Farbe gezeigt.

TWO THOUSAN MANIACS! sticht übrigens auch dadurch heraus, dass er eine HANDLUNG hat. Er klaut zwar aus dem Film BRIGADOON von 1954, macht aber eine unglaubliche und wirklich lustige Hillbilly-Version daraus. Den MUSS man gesehen haben! Kommt zum SLASH!

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Text: Ben Havlicek
Fotos: Michael Winiecki & Manuel Zechner