RETROSPEKTIVE: UNSAFE SPACES – THE HISTORY OF GRINDHOUSE CINEMA Die ersten 8 Titel

Die SLASH-Retrospektive widmet sich 2026 einem so wesentlichen wie pikanten Kapitel der Genrefilm-Historie, dem nordamerikanischen Grindhouse Cinema:

Während der moralkonservative Hays Code (Zensurkodex für Filmproduktionen, 1934 – 1968) und die Vorgaben der MPAA (Motion Picture Association of America) hinsichtlich einer kommerziell wesentlichen Altersfreigabe viele Hollywood-Produktionen zur Selbstzensur zwangen, blühten in urbanen Metropolen wie Los Angeles und im besonderen New York City (42nd Street) ab den frühen 1960ern Kino-Cluster auf, die abseits jedweder offizieller oder rechtlicher Regelungen und häufig jenseits aller Geschmacksgrenzen unabhängiges Exploitationkino zeigten. Diese Grindhouses, so genannt da sie ganztags und bis in die Nacht hinein ohne Pause Filme zeigten („They grind them out“), wurden in der Mitte des 20. Jahrhunderts zum Phänomen, denn in ihren sensationslüsternen Programmen krochen all die verdrängten Ängste, all die unterdrückten Lüste und Leidenschaften, all die verbotenen Gefühle und Gedanken direkt Richtung Projektorlicht. Auf der Leinwand ausgestaltete sich die veritable Psychogeografie einer gebeutelten Nation, in der sich im Exploitation-Duktus und für heutige Maßstäbe politisch höchst inkorrekt Bürgerschreck-Themen die Klinke in die Hand gaben: Rassenhass und queere Identitäten, Kannibalen und Serienmörder:innen, Faux-Snuff, Porno Chic und, damals noch „blood horror“ genanntes, explizites Gewaltkino.

Die heurige SLASH-Retrospektive möchte den Geist der Grindhouses, also Genrekino frei von Kunstverdacht und Award-Ambition wiederbeschwören, und die schwer vertretbaren Schoßgebete und Körperzerstörungen von Damals in einen Dialog setzen mit zeitgenössischer Sensibilität. Unterstützt werden wir dabei unter anderem vom britischen Filmbuch-Autor Stephen Thrower, der mit „Nightmare USA: The Untold Story of the Exploitation Independents“ ein Grundlagenwerk zu diesem Themenkomplex verfasst hat und beim Festival zu Gast sein wird.

Gezeigt werden 16 Arbeiten, nach Möglichkeit präsentiert auf 35-mm-Film. Für die gesamte Retrospektive gilt strenges Jugendverbot (18+), einige Vorstellungen können ausschließlich inklusive ihrer filmwissenschaftlichen Einführung besucht werden.

In dieser Medieninformation geben wir die ersten acht Titel der Retrospektive bekannt:

VAPORS (US 1965, Andy Milligan)
Kurzfilm

FLESHPOT ON 42ND STREET
(US 1972, Andy Milligan)

LOVE ME DEADLY
(US 1972, Jacques Lacerte)

ILSA, SHE-WOLF OF THE SS
(CA 1975, Don Edmonds)

A WOMAN’S TORMENT
(US 1977, Roberta Findlay)

THE DRILLER KILLER
(US 1979, Abel Ferrara)

BASKET CASE
(US 1982, Frank Henenlotter)

THE DEADLY SPAWN
(US 1983, Douglas McKeown)